Impulsdauer & Impulsform:

Die Steuerung der Laser-Wirkung im Gewebe


Impulsdauer und Impulsform: Die Steuerung der Gewebewirkung

Die Pulsdauer (Impulsdauer) und die Impulsform sind die kritischsten technischen Parameter in der Anwendung optischer Strahlungsgeräte (Laser und IPL). Sie bestimmen nicht nur die Sicherheit der Behandlung, sondern auch die Art der physikalischen Wirkung, die im Zielgewebe (Chromophor) erzielt wird.

 

Der Zeitfaktor: Abstimmung auf die Thermische Relaxationszeit (TRT)

Die Wahl der richtigen Pulsdauer ist entscheidend für die Selektivität und Sicherheit der Behandlung. Sie muss auf die Größe des Ziel-Chromophors abgestimmt werden.

 

Definition: Thermische Relaxationszeit (TRT)

  • Definition: Die TRT ist die Zeitspanne, in der das behandelte Zielgewebe (z. B. das Haarfollikel) 50 % der aufgenommenen thermischen Energie an das umliegende Gewebe abgegeben hat.
  • Faustregel für die Behandlung: Die optimale Impulsdauer sollte in etwa der TRT des zu behandelnden Chromophors entsprechen.
    • Wirkung: Der Impuls muss ausreichend lang sein, um das Zielgewebe vollständig zu erhitzen.
    • Sicherheit: Er darf nicht zu lange dauern, da dies zu einer unnötigen Erhitzung des umliegenden Gewebes führen und Verbrennungen verursachen kann.

 

Warum die TRT über den Erfolg entscheidet

Um ein Gefühl für die zeitlichen Dimensionen in der Behandlung zu bekommen, hilft ein Vergleich der Zielstrukturen:

  • Grobes Terminalhaar: Hat eine TRT von ca. 40–100 ms.
  • Epidermis (Oberhaut): Hat eine TRT von nur ca. 1–10 ms.

 

Der entscheidende Vorteil: Da die Haut ihre Hitze wesentlich schneller abgibt (kurze TRT) als das Haar (lange TRT), können wir die Impulsdauer so wählen, dass das Haar die Energie speichert und zerstört wird, während die Haut die Wärme bereits wieder an die Umgebung abgegeben hat. Dies ist das Fundament für eine hautschonende, aber effektive Behandlung.

 

Die physikalischen Effekte: Photokoagulation vs. Photodisruption

Je nach Länge des Impulses unterscheidet man zwei grundlegende Wirkmechanismen:

 

Laser physikalischen Wirkmechanismus Photokoagulation vs. Photodisruption

 

1. Photokoagulation (Der lange, thermische Puls)

Dieser Effekt zielt auf eine gezielte thermische Schädigung ohne Zerstörung.

Parameter

Beschreibung

Pulsdauer

Länger (z.B. Millisekunden [ms])

Wirkungsweise

Die Energie wird langsamer freigesetzt, was zu einer sanften, aber anhaltenden Erhitzung führt. Die Wärme wird über die Dauer des Impulses im Chromophor konzentriert.

Effekt

Die thermische Energie führt zur Koagulation – die Struktur (z. B. das Haarfollikel oder ein Gefäß) wird zusammengezogen und verschweißt.

Anwendung

Dauerhafte Haarentfernung und Verödung größerer Gefäße wie Couperose oder strichförmige Besenreiser.

 

2. Photodisruption (Der ultrakurze, explosive Puls)

Dieser Effekt zielt auf die mechanische Zerstörung feinster Strukturen.

Parameter

Beschreibung

Pulsdauer

Extrem kurz (z.B. Nanosekunden [ns] oder Pikosekunden [ps])

Wirkungsweise

Die extrem kurze Impulsdauer setzt die gesamte Energie in einem winzigen Zeitfenster frei. Das Ziel (z. B. ein Farbpigment) kann die Wärme nicht schnell genug ableiten.

Effekt

Die schlagartige Erhitzung führt zu einer Explosion der Struktur in winzige Partikel, die dann vom Körper abtransportiert werden (Photodisruption).

Anwendung

Zerstörung feinster Pigmentstrukturen, wie bei der Tattoo-Entfernung oder der Behandlung bestimmter Pigmentflecken.

 

Photodisruption - Wirkungsweise

Durch die extrem kurze Freisetzung der Energie in Nanosekunden entsteht ein sogenannter photoakustischer Effekt. Dabei dehnt sich das Zielobjekt (z. B. ein Farbpigment) so schlagartig aus, dass eine akustische Schockwelle im Gewebe entsteht. Diese mechanische Welle zertrümmert das Pigment in mikroskopisch kleine Fragmente, die vom Immunsystem abtransportiert werden können.

Der Unterschied zur Haarentfernung:

Im Gegensatz zur Photokoagulation (Haarentfernung), die rein thermisch durch Hitze wirkt, arbeitet die Photodisruption mechanisch. Man könnte sagen: Die Haarentfernung 'kocht' das Ziel sanft, während die Photodisruption das Ziel zertrümmert.

 

Wichtige Unterscheidung Photokoagulation vs. Photodisruption:

Obwohl beide physikalischen Effekte in der modernen Apparatemedizin genutzt werden, ist ihr Einsatzgebiet streng getrennt:

  • Dauerhafte Haarentfernung: Hier wird ausschließlich das Prinzip der Photokoagulation (Thermolyse) angewendet. Das Ziel ist eine kontrollierte Erhitzung des Follikelgewebes auf etwa 70–80°C, um die Eiweißstrukturen der Keimzellen dauerhaft zu denaturieren (zu „verschweißen“).
  • Tattoo- und Pigmententfernung: Hier kommt die Photodisruption zum Einsatz. Da Farbpigmente wesentlich kleiner sind als Haarwurzeln, benötigt man die extrem kurzen Impulse (Nanosekunden), um eine mechanische Zertrümmerung zu erreichen, ohne das umliegende Gewebe thermisch zu belasten.

Für die Haarentfernung ist „Hitze mit Zeit“ (Millisekunden) der Schlüssel, während für Pigmente „Energie ohne Zeit“ (Nanosekunden) benötigt wird.

 

3. Technische Umsetzung: Impulsform in der IPL-Technologie

Insbesondere bei der IPL-Technologie (Intense Pulsed Light) spielt neben der Dauer auch die Form des Impulses eine wichtige Rolle für die Sicherheit und Effektivität.

 

Impulsform: Einzelimpuls vs. Mehrfachimpuls

IPL-Geräte können den Lichtimpuls in zwei Hauptformen abgeben:

  1. Einzelimpuls (Monopuls): Ein einzelner, ungeteilter Lichtschuss.
  2. Mehrfachimpuls (Multipuls oder Multishot): Hier wird der gesamte Energieimpuls in eine Serie von Teilimpulsen unterteilt.

 

Funktion des Mehrfachimpulses (Multishot-Prinzip)

Das Multishot-Prinzip ist eine Sicherheits- und Effektivitätsstrategie:

Element

Zweck

Teilimpulse

Sie liefern die nötige Energie, um das Chromophor zu erhitzen.

Pausen

Zwischen den Teilimpulsen sind Pausen eingebaut.

Effekt

Diese Pausen ermöglichen eine thermische Entspannung des umliegenden Gewebes (Hautschutz) und verhindern Verbrennungen, während die aufeinanderfolgenden Teilimpulse die gezielte Erwärmung im tiefer liegenden Chromophor gewährleisten und damit die Effektivität erhöhen.

 

Die Abstimmung von Pulsdauer, Impulsform und TRT ist somit der Schlüssel zu einer selektiven, effektiven und sicheren Behandlung in der Anwendung optischer Strahlung.

 

Wissenschaftliche Referenz:

Anderson, R. R., & Parrish, J. A. (1983): Selective photothermolysis: precise microsurgery by selective absorption of pulsed radiation. Science.

Niemz, M. H.: Laser-Gewebe-Wechselwirkungen: Grundlagen und klinische Anwendungen. Springer Vieweg

Lasertherapie der Haut – (AWMF Leitlinien – das Portal der wissenschaftlichen Medizin)  

 

Hinweis: Einige Bilder auf dieser Website wurden mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und dienen ausschließlich illustrativen Zwecken.

Alexandra Steiger Gründerin von ad new cosmetics und Expertin für dauerhafte Haarentfernung

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Alexandra Steiger (geb. Dillmann)

Gründerin von ad new cosmetics & Expertin für dauerhafte Haarentfernung

„Qualität und Sicherheit sind in der Haarentfernung kein Zufall, sondern das Ergebnis von Erfahrung und Wissen.“

Dieser Lexikonbeitrag wurde fachlich von Alexandra Steiger geprüft und redaktionell freigegeben. Als Geschäftsführerin von ad new cosmetics verfügt sie über eine Praxiserfahrung seit 2003 in der dauerhaften Haarentfernung mit medizinischen Laser- und IPL-Technologien.

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