Laserparameter erklärt: TRZ, Fluenz und Spotgröße

Kernparameter der Lasertherapie: Physikalische Wirkprinzipien auf die Haut


Wirkung von optischer Strahlung auf menschliches Gewebe und tiefergehende physikalische Prinzipien

 

Die Kernparameter der optischen Strahlung

Damit eine Behandlung (z. B. Haarentfernung oder Tattoo-Entfernung) erfolgreich ist, müssen die Laserparameter exakt auf die Zielstruktur abgestimmt sein.

  • Wellenlänge (λ): Sie bestimmt die Farbe des Lichts und somit, welcher Stoff (Chromophor) in der Haut die Energie aufsaugt.
    • Melanin: Ziel für Haarentfernung und Pigmentflecken.
    • Hämoglobin: Ziel für Gefäßbehandlungen (Besenreiser, Couperose).
    • Wasser: Ziel für Hautverjüngung und Ablation.
    • Tattoo-Pigmente
  • Energiedichte (Fluenz): Gemessen in J/cm². Sie definiert, wie viel "Power" auf die Fläche wirkt, um die Zielstruktur thermisch zu zerstören.
  • Impulsdauer: Die Zeit, in der das Licht auf die Haut einwirkt. Sie muss kürzer sein als die thermische Entspannungszeit des Ziels.

 

Selektive Photothermolyse & Thermal Relaxation Time (TRT)

Das wichtigste Prinzip der Lasertherapie ist die selektive Photothermolyse. Das Ziel ist es, nur die Zielstruktur (z. B. ein Haar) zu zerstören, ohne die umliegende Haut zu schädigen.

selektive photothermolyse prinzip haarentfernung

 

Was ist die Thermische Relaxationszeit?

Die TRT ist die Zeit, die ein Objekt benötigt, um 50% seiner Hitze an die Umgebung abzugeben.

  • Kleine Strukturen (z. B. Tattoo-Pigmente) geben Hitze extrem schnell ab. Sie benötigen ultrakurze Impulse (Nanosekunden).
  • Größere Strukturen (z. B. dicke Haare) halten die Hitze länger. Hier werden längere Impulse (Millisekunden) genutzt, um das Zielobjekt effektiv zu zerstören

 

Ist der Impuls länger als die TRT, fließt die Hitze in die Haut ab – das Verbrennungsrisiko steigt!

 

Die goldene Regel

In der Lasertherapie bestimmt die Größe der Zielstruktur maßgeblich die Einstellung des Geräts. Um die Haut zu schonen und gleichzeitig das Ziel (z. B. die Haarwurzel) effektiv zu zerstören, gilt folgende Faustformel:

„Kurzer Impuls für feine Strukturen, langer Impuls für grobe Strukturen.“

Hintergrund:

  • Feine Strukturen (z. B. dünne Härchen oder kleine Pigmentflecken) haben eine sehr kurze TRT. Sie geben die aufgenommene Hitze extrem schnell wieder ab. Daher muss die Energie in einem ultrakurzen Zeitfenster „hineingeschossen“ werden, bevor sie ungenutzt in das umliegende Gewebe abfließt.
  • Grobe Strukturen (z. B. dicke, tief sitzende Haarwurzeln) speichern die Wärme länger. Hier wird ein längerer Impuls genutzt, um die Struktur gleichmäßig bis zum kritischen Punkt der Koagulation (70–80°C) zu erwärmen, ohne die Hautoberfläche durch eine zu schlagartige Energieentladung zu belasten.

Wird der Impuls länger gewählt als die TRT der Zielstruktur, steigt das Risiko, dass die Hitze unkontrolliert in die umliegende Haut abfließt, was zu Reizungen oder Verbrennungen führen kann.

 

 Impulsdauer Relaxationszeit erklärt

Die Rolle der Spotgröße und Eindringtiefe

Ein oft unterschätzter Faktor ist der Durchmesser des Laserstrahls (Spotgröße).

  • Große Spotgröße: Ermöglicht eine tiefere Penetration in das Gewebe. Durch die geringere Streuung an den Rändern gelangt mehr Energie in die tiefen Hautschichten (Dermis), wo z. B. Haarwurzeln sitzen.
  • Kleine Spotgröße: Führt zu mehr Streuung und somit zu einer geringeren Eindringtiefe. Sie ist ideal für sehr oberflächliche Pigmentveränderungen.
  • Photonen-Streuverlust: Bei einem kleinen Spot gehen die Lichtteilchen an den Seiten "verloren". Bei einem großen Spot stützen sich die Photonen in der Mitte gegenseitig, wodurch sie tiefer kommen.

 

LASER SPOTGRÖSSE EINDRINGTIEFE

 

Gewebewirkung in Abhängigkeit von der Temperatur

Je nach eingestellter Energie und Absorption entstehen unterschiedliche thermische Effekte im Gewebe:

Temperatur

Biologische Wirkung

Anwendung (Beispiel)

45C

Hyperthermie

Stoffwechselanregung

70-80C

Koagulation

Dauerhafte Haarentfernung (Zerstörung der Keimzellen), Gefäßverödung, Eiweißgerinnung

100C

Vaporisation

Verdampfung von Gewebewasser

>100C

Ablation

Hautabtragung (Resurfacing)

>>100C

Explosion

Zertrümmerung von Tattoo-Pigmenten

 

Warum Koagulation bei der Haarentfernung elementar ist:

Bei der Laser-Haarentfernung ist nicht das Haar selbst das primäre Ziel, sondern die Stammzellen und das Follikelgewebe, die das Haar produzieren.

  • Damit ein Haar dauerhaft nicht mehr nachwächst, müssen die Proteine (Eiweiße) in den Keimzellen des Haarfollikels zerstört werden.
  • Da Proteine ab etwa 70-80C unwiderruflich gerinnen, ist genau das die Zieltemperatur.
  • Man möchte das Gewebe dort "verkochen" (koagulieren), aber nicht "verdampfen" (Vaporisation bei 100C), da eine Verdampfung zu kleine Explosionen im Gewebe führen würde, was schmerzhafter ist und das Risiko für Narben erhöht.

 

Übersicht der Wellenlängen und Laser-Systeme

Wellenlängen im Spektrum

Je nach Behandlungsziel kommen unterschiedliche Systeme zum Einsatz:

  • Rubin-Laser (694 nm): Stark absorbiert durch Melanin, ideal für helle Hauttypen 
  • Alexandrit-Laser (755 nm): Höchste Melanin-Absorption; ideal für helle Hauttypen (Fitzpatrick I-III).
  • Dioden-Laser (800 - 810 nm): Der Goldstandard für die Haarentfernung. Er bietet das optimale Gleichgewicht zwischen hoher Eindringtiefe und sicherer Melanin-Absorption für eine breite Palette an Haut- und Haartypen.
  • Nd:YAG-Laser (1064 nm): Geringste Melanin-Absorption, dadurch höchste Sicherheit für dunkle Hauttypen (V-VI) und maximale Eindringtiefe für tief sitzende Haarwurzeln und Gefäße.
  • IPL-Systeme (590 - 1200 nm): Breitbandiges Lichtspektrum für flächige Behandlungen wie Hautverjüngung.

 

Fazit: Für eine sichere Anwendung gilt: Die Auswahl der Wellenlänge erfolgt nach dem Zielchromophor, die Impulsdauer nach der Größe der Zielstruktur und die Spotgröße nach der benötigten Eindringtiefe im Gewebe.

 

Wissenschaftliche Referenz:

Anderson, R. R., & Parrish, J. A. (1983): Selective photothermolysis: precise microsurgery by selective absorption of pulsed radiation. Science.

Niemz, M. H.: Laser-Gewebe-Wechselwirkungen: Grundlagen und klinische Anwendungen. Springer-Verlag

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zur Lasertherapie.

Leitfaden Laserstrahlung – (Fachverband für Strahlenschutz e.V.)

Grundwissen - Aufgaben Laser - (leifiphysik)

 

Hinweis: Einige Bilder auf dieser Website wurden mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und dienen ausschließlich illustrativen Zwecken.

Alexandra Steiger Gründerin von ad new cosmetics und Expertin für dauerhafte Haarentfernung

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Alexandra Steiger (geb. Dillmann)

Gründerin von ad new cosmetics & Expertin für dauerhafte Haarentfernung

„Qualität und Sicherheit sind in der Haarentfernung kein Zufall, sondern das Ergebnis von Erfahrung und Wissen.“

Dieser Lexikonbeitrag wurde fachlich von Alexandra Steiger geprüft und redaktionell freigegeben. Als Geschäftsführerin von ad new cosmetics verfügt sie über eine Praxiserfahrung seit 2003 in der dauerhaften Haarentfernung mit medizinischen Laser- und IPL-Technologien.

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